Zucht zwischen Ahnenverlust und Erhalt des Genpools


In den 60zigern des letztes Jahrunderts standen englische und australische Cardigan Welsh Corgis vor der Erkenntnis, dass zunehmend mehr Hunde erblindeten. Sie starteten eine Massnahme, wonach alle Wels Corgi Cardigan Zuchttiere augenuntersucht werden sollten. Die Liste der untersuchten Hunde mit freiem Befund wurde im Kennel Club veröffentlicht. Nun konnte jeder lesen, welcher Hund frei von PRA (Progressiver Retina Atrophy) war. Alle die Zuechter oder Besitzer, die ihren Zuchthund nicht auf der Liste fanden, setzten ihren Hund dem Verdacht aus, er sei befallen. Damit wurde erreicht, dass jeder Zuechter seinen Hund zur Augenuntersuchung brachte.
Danach ging die Zahl der erblindeten Cardigans auf Null zurueck, was zur truegerischen Annahme fuehrte, die Rasse werde in Zukunft frei von PRA sein.

Doch diese Illusion dauerte nur kurz. Es kam, wie es kommen musste. Die nicht zu erkennenden Traegertiere trafen bei Verpaarungen aufeinander und wieder erblindeten die herangewachsenenen Jungtiere daraus. Aber, wie sollten die Zuechter die Traeger ermitteln, denn die DNA war noch nicht erfunden. Deshalb stellte sich auch in den 60ziger Jahren nicht die Frage, wie können wir das wertvolle Erbgut, das diese Cardigans noch trugen, vor dem Aussterben retten. Man musste hinnehmen, dass durch die Herausnahme der erblindeten Hunde der Gen pool um 33,3% geschmälert. Ein Drittel der wertvollen Charakteristika waren fuer immer verloren.

Bei allem Unglueck war es doch hilfreich, dass Cardigans eine fruehe Form der PRA (Progressive Retinal Atrophy) bekamen, die vor Erreichen des Zuchtalters mit zwei Jahren sichtbar wurde. So konnte man die Zucht mit befallenen Tieren ausschliessen, indem sie gar nicht erst in die Zucht genommen wurden. Trotzdem war die Zucht beinahe zu einem Ende gekommen, auch weil der Umgang mit PRA die Zuechter verunsicherte. Die Träger konnten einfach nicht ermittelt werden.

Die Wissenschaftler versuchten zu helfen, dass diese älteste Rasse Grossbritanniens nicht ausstarb. Bis in die 90er Jahre wurde zwar die Zahl der erblindeten Cardigans zurueckgedrängt, aber gleichzeitig gingen wertvolle Gene fuer immer verloren.

Doch erst Ende der 90er Jahre gelang mit Hilfe vieler Blutproben der Durchbruch. Cambridge University entwickelte einen DNA Bluttest, wonach die Cardigans endlich in Freie, Traeger und Befallene unterschieden werden konnten.Ein Segen fuer die Zucht. Schnell wurde es selbstverständlich, dass alle Zuchttiere vor Verwendung genetisch auf PRA untersucht wurden

Und damit begann der Verlust des zweiten Drittel aller verbliebenen Charakteristika. Aber dieses Mal hätten die Zuechter vorausschauender damit umgehen koennen.

Wie eine Seuche verbreitete sich, dass Zuechter nur
noch mit PRA freien Hunden zuechten wollten. Die Traegertiere, die niemals erblinden können, wurden aus der Zucht verbannt und stolz schrieben Zuechter, dass ihre Welpen alle PRA frei seien. Leider erkannten nur wenige, welche Gefahr darin lag, wertvolles Erbgut fuer immer aus der Zucht zu verbannen. Zu wenige!

Mit dieser Massnahme wurde der Gen pool um ein weiteres Drittel verschmälert. Es blieben noch ein letztes Drittel.
Was war die traurige Folge?

Heute haben wir vermehrt Kryptorchismus, DM, Chippendale Vorderpfoten mit schlechten Fronten, schlechte Rutenhaltung, steile Hinterhände und sicher noch einiges mehr. Durch den so stark verengten Gen pool kommt es natuerlich vermehrt zu einer ungewollten Inzucht, die wiederum zu Krankheiten und den oben genannten Fehlbildungen fuehrt. Insgesamt steht die Zucht heute vor Fehlern, die es bei unseren Oldiess nicht gab. Auf der anderen Seite muss kein Cardigan mehr an PRA erblinden. Diese Tatsache kann man nicht hoch genug einschätzen. Wie können heutige Zuechter trotzdem noch wertvolles Erbgut vor dem totalen Verlust retten?

Sehr wenige Zuechter in Holland (“Welshclans” and “Courtley”) und Norwegen (“All Trade”), von denen ich weiss, haben bewusst in der Vergangenheit hervorragende PRA C Hunde mit PRA A Hunden verpaart. Die daraus fallenden PRA B Welpen können selbst nie erblinden. Aber um wieder PRA A Hunde zu bekommen, werden sie wiederum mit freien Hunden verpaart.Welpen daraus, die in Privathaende gehen, werden als Pets verkauft und werden später kastriert.Heute haben “Welshclans” und “Courtney” längst wieder einen PRA freien Zuchtbestand, was die Richtigkeit dieser Massnahme beweist.

Es ist also durchaus möglich PRA befallene Hunde der Traegertiere wieder in die Zucht zu nehmen, um im kleinen Umfang kostbares Erbgut zu retten und in Zuchtprogramme einzugliedern. Das ist ein sehr muehseliger Weg, zumal die Zucht mit ausschliesslich PRA freien Hunde unermuedlich weiter geht.

Im letzten Jahrhundert richtete PRA die Rasse fast zugrunde, weil man keinen DNA Test hatte, um die Traegertiere zu ermitteln. Heute wird die Rasse fast wieder zugrunde gerichtet, weil es den DNA Test gibt und die bekannten PRA Traegertiere nicht sinnvoll zur Zucht eingesetzt werden, um den noch vorhandenen Gen pool zu erhalten.

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